Script support IE Browser

HBG Live

Was bei uns so abgeht

Sind Schülerinnen und Schüler am HBG politisch interessiert?

Politisches Intersse Zeitung Simon

Politik scheint für viele Jugendliche heute allgegenwärtig zu sein, zumindest auf den ersten Blick. Die Klimakrise, Kriege, Inflation, Wohnungsnot und die Frage, wie unsere Zukunft aussehen wird, betreffen junge Menschen direkt. Studien zeigen, dass das politische Interesse von Jugendlichen in Deutschland insgesamt wieder steigt. Deutschlandweit lässt sich beobachten, dass sich immer mehr junge Menschen mit politischen Themen beschäftigen. Vor allem globale Krisen wie der Klimawandel, der Krieg in der Ukraine, der Nahostkonflikt oder die Angst vor wirtschaftlicher Unsicherheit führen dazu, dass Jugendliche sich Sorgen um ihre Zukunft machen und das zu Recht. Diese Sorgen äußern sich jedoch nicht immer in klassischem politischen Engagement wie Parteimitgliedschaften oder regelmäßiger Teilnahme an Demonstrationen. Stattdessen finden politische Auseinandersetzungen heute häufig online statt. Soziale Medien wie TikTok, Instagram oder YouTube sind für viele Jugendliche die wichtigste Informationsquelle. Politische Inhalte werden dort oft in kurzen Videos, emotionalen Beiträgen oder zugespitzten Aussagen vermittelt. Das macht Politik zwar zugänglicher, aber auch anfälliger für Vereinfachungen, Manipulation und Desinformation. Ein auffälliger Trend ist die zunehmende politische Polarisierung unter Jugendlichen. Immer mehr junge Menschen positionieren sich klar, nur leider häufig an den politischen Rändern. Besonders auffällig ist dabei die wachsende Kluft zwischen den politischen Einstellungen von jungen Frauen und jungen Männern. Statistisch gesehen werden junge Frauen zunehmend linker, während junge Männer häufiger rechte oder rechtspopulistische Parteien unterstützen. Während viele Mädchen sich mit Themen wie Feminismus, Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und Gleichberechtigung identifizieren und eher linke Parteien wählen würden, tendieren Jungen deutlich häufiger zur AfD oder zu anderen rechten Strömungen. Diese Entwicklung ist nicht neu, hat sich in den letzten Jahren aber deutlich verstärkt. Ein entscheidender Faktor für diese Entwicklung ist das Internet. Soziale Netzwerke arbeiten mit Algorithmen, die Inhalte bevorzugen, die viel Aufmerksamkeit erzeugen oft sind das provokante, extreme oder vereinfachte Meinungen. Besonders rechte Influencer haben es geschafft, gezielt junge Männer anzusprechen. Themen wie Männlichkeit, Leistungsdenken und Reichtum werden dort häufig vereinfacht und emotional aufgeladen dargestellt. Viele dieser Influencer präsentieren sich als erfolgreich, reich und unabhängig. Das sind Eigenschaften, die in einer materialistisch geprägten Gesellschaft schnell als Vorbilder wahrgenommen werden. Da diese Personen überwiegend männlich sind und häufig ein problematisches Frauenbild vertreten, wenden sich viele junge Frauen bewusst davon ab und orientieren sich stärker an linken oder progressiven Ideologien. Linke Parteien und Bewegungen wiederum haben häufig weibliche Führungspersönlichkeiten oder setzen sich sichtbar für Frauenrechte und Gleichberechtigung ein, was sie für viele Mädchen attraktiver macht. Doch wie sieht das an unserer Schule aus, dem HBG? Fühlen sich die Schülerinnen und Schüler politisch eingebunden, interessiert oder eher desinteressiert? Mit Blick auf Gespräche mit Schülern verschiedener Jahrgangsstufen über politische Entwicklungen zeigt sich, dass das politische Interesse am HBG vergleichsweise gering ist und das hat viele Ursachen.Während diese Entwicklungen deutschlandweit deutlich zu beobachten sind, zeigt sich am HBG ein anderes Bild. Das politische Interesse der Schülerschaft ist insgesamt eher niedrig. Viele Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich nur oberflächlich oder gar nicht mit aktuellen politischen Themen. Ein Beispiel dafür ist die Diskussion um die Wiedereinführung einer Musterungspflicht. Während es deutschlandweit Demonstrationen gegen Wehrdienst und Musterung gab, ist nach Wissen der Redaktion kein einziger Schüler des HBGs an solchen Protesten beteiligt gewesen. Erschreckend ist zudem, dass manche der betroffenen Schüler erst sehr spät davon erfuhren, dass eine Musterungspflicht wieder eingeführt werden sollte und dann wurde. Das zeigt nicht nur mangelndes Engagement, sondern auch ein Informationsdefizit. Im Rahmen der Recherche für diesen Artikel wurden Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen befragt. Das Ergebnis war eindeutig: In den meisten Klassen wird kaum über Politik gesprochen. Politische Themen kommen, wenn überhaupt, nur im Politik- oder Geschichtsunterricht vor. Viele berichteten, dass aktuelle politische Ereignisse selten diskutiert werden. Dabei wäre gerade die Schule ein Ort, an dem politische Bildung aktiv gelebt werden könnte und sollte. Andere Schulen zeigen, dass es auch anders geht. Dinge wie Podiumsdiskussionen, Projekttage, Debatten oder Schülerforen sind dort selbstverständlich. Am HBG hingegen scheint politisches Desinteresse schon lange Tradition zu haben. Ein besonders deutliches Beispiel dafür ist die Zeit von „Fridays for Future“. Während in vielen Städten Tausende Schülerinnen und Schüler freitags die Schule verließen, um für Klimaschutz zu demonstrieren, blieb die Beteiligung am HBG minimal. Nur wenige Schüler engagierten sich aktiv, viele nahmen die Bewegung kaum wahr oder waren zu faul. Natürlich ist es eine Hemmung, freitags den Unterricht zu verlassen und dafür möglicherweise Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Doch auch abseits der Demonstrationen zeigte sich wenig Interesse: kaum Diskussionen, kaum Initiativen, kaum sichtbares Engagement. Das geringe politische Interesse am HBG bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Schülerinnen und Schüler keine Meinungen haben oder ihnen ihre Zukunft egal ist. Vielmehr deutet vieles auf eine Form von Politikverdrossenheit hin. Viele Jugendliche empfinden Politik als kompliziert, langsam und weit entfernt von ihrem Alltag. Hinzu kommt, dass politische Bildung oft sehr abstrakt vermittelt wird. Parteiprogramme, Institutionen oder historische Abläufe wirken für viele Schülerinnen und Schüler trocken und lebensfern. Ohne Bezug zur eigenen Lebensrealität fällt es schwer, echtes Interesse zu entwickeln. Es ist wichtig zu betonen, dass sich Jugendliche heute anders politisch beteiligen als frühere Generationen. Online Petitionen, Onlinekampagnen, Statements in Kommentaren oder das Teilen politischer Inhalte sind für viele Formen des Engagements. Diese Beteiligung ist weniger sichtbar, aber nicht weniger relevant. Dennoch ersetzt sie nicht den offenen Austausch, die Diskussion und das kritische Hinterfragen Fähigkeiten, die gerade in der Schule gefördert werden sollten. Politische Bildung ist ein zentraler Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Schulen tragen eine große Verantwortung, junge Menschen zu mündigen, informierten und kritischen Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen. Dazu gehört mehr als das Auswendiglernen von Begriffen oder das Schreiben von Klassenarbeiten. Am HBG gibt es hier noch viel Potenzial. Mehr Raum für Diskussionen, aktuelle Bezüge im Unterricht, Projekte zu politischen Themen oder Kooperationen mit externen Organisationen könnten das Interesse deutlich steigern. Auch Schülervertretungen könnten eine aktivere Rolle spielen, um politische Themen in den Schulalltag zu bringen. Das politische Interesse von Jugendlichen steigt bundesweit. Am HBG jedoch scheint diese Entwicklung bisher nur begrenzt angekommen zu sein. Politisches Desinteresse, fehlende Diskussionen und mangelnde Information prägen das Bild. Gleichzeitig zeigen gesellschaftliche Entwicklungen, wie wichtig politische Bildung gerade heute ist. Die zunehmende Spaltung zwischen jungen Männern und Frauen, der Einfluss von sozialen Medien und die wachsende Radikalisierung machen deutlich: Politik geht uns alle an auch und gerade Schülerinnen und Schüler. Vielleicht ist es an der Zeit, Politik am HBG ins Gespräch zu bringen und Interesse zu wecken.

Die Webseite verwendet Cookies, um Ihnen bestmögliche Funktionalität zu bieten. Durch Klicken auf Akzeptieren erklären Sie sich damit einverstanden.